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Villa Böhm | 67433 Neustadt a.d. Weinstraße
29.06.2019 - Bill Laurance Trio
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06.07.2019 - KLΞIИ
Villa Ludwigshöhe | 67480 Edenkoben
06.07.2019 - Bill Evans & The Spy Killers
Villa Ludwigshöhe | 67480 Edenkoben
13.07.2019 - Joshua Redman Quartet
Festungsanlage Fronte Beckers | 76726 Germersheim
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03.08.2019 - Phronesis
Park der Villa Wieser | 76863 Herxheim-Landau
03.08.2019 - Adam Baldych Quartet
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Von einem, der noch viel vor hat

09.07.2019

„Die gefährlichste Band der Welt“ nennt Saxofonist Bill Evans seine Spy Killers. Bei Palatia Jazz an der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben konnte man sich also schon Sorgen machen, dass es bei derart heißer Musik den Zuhörern die Ohren versengt. Ruhiger war es zuvor bei Jérôme Klein zugegangen.

Von Gereon Hoffmann

Bill Evans, Altmeister am Saxofon, klingt frisch und spielfreudig wie ein junger Spund.zoom
Bill Evans, Altmeister am Saxofon, klingt frisch und spielfreudig wie ein junger Spund.

Bill Evans kann schon ganz alleine mit seinem Saxofon Feuer entfachen. Und so fängt sein Open-air-Konzert am Samstag auch an: Alleine spielt er einfach los und packt die Zuhörer. Sofort spürt man die Energie, die von ihm ausgeht. Als dann auch die Band einsteigt, groovt die Musik sogleich ganz massiv los. Gary Grainger am Bass slapt oder drückt auf seinem Fünfsaiter mit grollenden Tiefen nach vorne, in enger Tuchfühlung mit Wolfgang Haffner am Schlagzeug. Man kann sehen, wie die beiden Kontakt halten, sich Blicke zuwerfen und über gelungene Interaktionen lachen.

Die Stücke sind mit viel Freiraum angelegt. Die Themen können dabei durchaus anspruchsvoll sein: mit schnell gespielten funkigen Linien oder rhythmisch vertrackten Passagen. Dabei spielt das Trio traumhaft sicher zusammen. Alle drei sind Meister, hören aufeinander und spielen mit enorm viel Spaß – was sich natürlich auf die Zuhörer überträgt. Geradezu spektakulär sind die Hammond-Sounds, die Simon Oslender aus einem Nord-Keyboard herausholt. Nicht ohne stolz sagt Bill Evans den Zuhörern, dass Oslender gerade mal 21 Jahre alt ist – dasselbe Alter, in dem Evans vor 40 Jahren bei Miles Davis angefangen hat.

In der Musik der Spy Killers kommt viel zusammen: Funk und Fusion, auch ein deutlicher Blues-Anteil. Es gibt sogar mal einen Shuffle-Blues, der mit seinem Orgel-Riff an „Green Onions“ von Booker T. erinnert. Dass diese Musik aus Amerika kommt, ist deutlich spürbar. Aber sie wird modern gespielt. Gerade Evans klingt frisch, geht immer wieder hinaus aus den Harmonien, erzeugt Dissonanzen. Er singt sogar – und zwar gar nicht schlecht. Am wichtigsten aber ist, dass es immer wieder Raum für Jams gibt, Platz zum improvisieren. Und da geht die Post ab. Die Musiker heizen sich gegenseitig an, haben ein gemeinsames Gefühl für die Entwicklung der Spannung. „Wir haben noch viel vor mit dieser Band“, sagte Evans den Zuhörern. Das kann man sich gut vorstellen. Als Zugabe gibt es noch eine Erinnerung an seine Zeit mit Miles Davis: „Jean Pierre“, das Stück mit der Kinderlied-Melodie – und einem weiteren Spielplatz für die Band.

Beim Auftritt von Jérôme Klein zuvor hatte man dagegen das Gefühl, dass die Spannung mit der Zeit etwas nachließ – trotz schöner Soli aller Beteiligten. Womöglich kommt diese Musik in einer Clubatmosphäre auch besser zur Geltung. Klein, so nennt der luxemburger Musiker sein Trio. Nils Engels am Schlagzeug und Pol Belardi an Vibrafon und Moog-Synthesizer spielen mit Jérôme Klein auf Augenhöhe.

Häufig geht es in der Musik des Trios darum, Rhythmen und Motive zu Strukturen zusammenzusetzen, die polyrhythmischen Fluss ergeben. Meistens kann man den Aufbau ganz gut verfolgen: Da gibt es ein Riff, handgespielt oder aus dem Sequenzer, dann bauen die Musiker nach und nach weitere Muster drumherum oder darüber. Das geht, bis ein bestimmter Klang und Groove etabliert ist, dann gibt es darüber Improvisationen.

Das ist alles gut durchdacht und strukturiert. Jérôme Klein scheint sich auch gar nicht so sehr in der Rolle des Leaders zu sehen. Wie Pol Belardi spielt er Patterns, die Bausteine im Gesamtgefüge sind. Belardi fällt fast sogar mehr auf, denn er hat oft zwei Funktionen zugleich: Mit der linken Hand spielt er Basslinien auf dem Moog, mit den Schlägeln in der rechten setzt er Harmonieklänge auf dem Vibrafon.

Manches kommt aus dem Sequenzer und läuft als Schleife: metallische Gamelan-Klänge, eine gesamplete Stimme oder elektronische Sounds. Diese Schleifen tragen einerseits zum Flow bei, andererseits zwingen sie die Musiker auch in ein Korsett. Die Band ist an diese Muster gebunden, muss sehr präzise bleiben und kann nicht bei einem Jam spontan eine andere Richtung einschlagen.

Ausgabe Die Rheinpfalz Pfälzer Tageblatt - Nr. 156
Datum Dienstag, den 9. Juli 2019